Cash ist fesch - bin ich gut unterwegs?

Nachdem es zwei unterschiedliche Szenarien gibt, die unser Unternehmen aus dem wirtschaftlichen Leben ausscheiden lassen, wäre es an der Stelle für Sie interessant, wie diese beiden Szenarien vermieden werden können. Eines der beiden Szenarien ist die Zahlungsunfähigkeit. Also den Zustand, in dem Sie Ihre fälligen Schulden nicht mehr bedienen können.

Kredite sind zum Beispiel auf mehrere Jahre aufgeteilt und gelten daher als langfristige Verbindlichkeiten. Hingegen sind Schulden bei Ihren Lieferanten oder beim Finanzamt (auch Krankenkassen) kurzfristig, weil sie mit einer Frist von wenigen Tagen oder Wochen zu begleichen sind.

Solange Sie also die aktuell fällige Rate Ihres Kredites bezahlen können, werden die langfristigen Verbindlichkeiten Ihre Zahlungsunfähigkeit nicht forcieren. Kritischer sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten, die jetzt oder in spätestens 30 Tagen fällig sind. Kommen hier zu viele Zahlungen zusammen sind Sie kurzfristig zahlungsunfähig. Wenn dieses nicht schnell durch Einnahmen abgedeckt wird, erfüllen Sie den Bestand einer Insolvenz.

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen drei Kennzahlen vorstellen, die Ihnen dabei helfen schnell und auf monatlicher Basis zu erkennen, wie gut oder schlecht Sie unterwegs sind. Kennzahlen sind auch dafür da, um sich mit anderen Unternehmen vergleichen zu können.

Sie benötigen nur eine fertig gebuchte Saldenliste und einen Taschenrechner oder ein leeres Excel File.

Liquidität 1. Grades

Mit dieser Kennzahl wird kontrolliert, zu wie viel Prozent Sie Ihre kurzfristigen Schulden mit den verfügbaren liquiden Mitteln (Handkasse, Guthaben am Bankkonto, ungesperrte Sparbücher, etc.) abdecken könnten.

Nehmen Sie sich Ihre letzte Saldenliste zur Hand und suchen Sie nach der Kontenklasse 2 (Kontonummern, die mit 2 beginnen). Hier finden Sie Konten, die mit 27 beginnen (Kassa), oder mit 28 (Bankkonten). Rechnen Sie die Beträge dieser Konten zusammen. Ich nehme jetzt in diesem Beispiel an, dass Sie 1.000 EUR in der Kassa haben und 10.000 EUR auf Ihren Bankkonten.

Halten Sie dann Ausschau nach der Kontenklasse 3 (Kontonummern, die mit 3 beginnen). Beginnend mit 32 finden Sie Ihre Schulden gegenüber der Bank. Achtung, Darlehenskonten sind hier ebenfalls enthalten, bitte rechnen Sie diese NICHT hinzu. Mit 33 beginnend finden Sie Ihre Schulden gegenüber Ihren Lieferanten. Im Beispiel nehmen wir an, dass Sie auf einem Ihrer Bankkonten 1.500 EUR im Minus (Betriebsmittelrahmen) sind und Sie in Summe 15.000 bei Ihren Lieferanten offene Rechnungen haben.

Kurzfristiges Fremdkapital: 1.500 + 15.000 = 16.500

Barmittel (liquide Mittel): 1.000 + 10.000 = 11.000

Setzen Sie bitte Ihre errechneten Zahlen in diese Formel ein.

LQ 1.png

In unserem Beispiel ist das Ergebnis 0,67. Dieses entspricht 67 Prozent.

Die Aussage ist daher, dass Sie zum Monatsende (Datum der Saldenliste) Ihre kurzfristigen Schulden zu 67 Prozent durch Barmittel decken konnten. Diese Zahl ist im Bereich der KMUs schon ganz okay.

Liquidität 2. Grades

Der Ansatz des 2. Grades ist der 1. Grad. Die Aussage ist. Würde ich zu meinen Barmitteln nun noch die offenen Kundenrechnungen hinzuzählen, könnte ich dann meine kurzfristigen Schulden zu 100% decken?

In der Kontenklasse 2 finden Sie Ihre Lieferforderungen, also jene offenen Rechnungen, die Ihre Kunden noch nicht bezahlt haben. Wir nehmen in unserem Beispiel an, dass Lieferforderungen Inland 5.000 EUR und Lieferforderungen EU Ausland 3.000 betragen.

Kurzfristiges Fremdkapital: 1.500 + 15.000 = 16.500

Monetäres Umlaufvermögen: Barmittel + Forderungen = 11.000 + 5.000 + 3.000 = 19.000

Setzen Sie bitte Ihre errechneten Zahlen in diese Formel ein.

LQ 2.png

In unserem Beispiel ist das Ergebnis 1,15. Dieses entspricht 115 Prozent.

Die Aussage ist daher, dass Sie zum Monatsende (Datum der Saldenliste) Ihre kurzfristigen Schulden zu 115 Prozent durch Barmittel decken konnten. Es bedeutet, dass Sie ihre kurzfristigen Schulden decken können (100 Prozent) und Ihnen dann noch 15 Prozent übrigbleiben. Einen Prozentsatz von 100 Prozent anzustreben bringt KMUs schon in eine recht gesunde Wirtschaftslage.

Liquidität 3. Grades

Der Ansatz des 3. Grades basiert am 2. Grad. Die Aussage ist: Würde ich zu meinen Barmitteln und offenen Kundenrechnungen nun auch noch mein Lager hinzurechnen, könnte ich dann meine kurzfristigen Schulden zu 100% decken? Dieses natürlich nur unter der Prämisse, dass das Ergebnis des 2. Grades unter 100 Prozent war.

Den Wert Ihres Warenlagers finden sie in der Saldenliste unter 1600. Bitte beachten Sie, dass viele externe Steuerberater diesen Wert erst zum Ende des Jahres korrigieren und Sie entweder unterjährig keinen Wert oder jene des Vorjahres finden. Sollten Sie erst aktuell eine Inventur gemacht haben und dabei den Lagerwert errechnet haben, benutzen Sie diesen. Auch hier gilt das Vorsichtsprinzip! Stellen Sie sich lieber schlechter und nehmen einen pessimistischen Lagerwert an, anstatt sich die Kennzahl fälschlicherweise “schön” zu rechnen. Wir nehmen einen Lagerwert von 2.000 EUR an.

Kurzfristiges Fremdkapital: 1.500 + 15.000 = 16.500

Kurzfristiges Umlaufvermögen: Monetäres Umlaufvermögen + Lagerwert = 19.000 + 2.000 = 21.000

Setzen Sie bitte Ihre errechneten Zahlen in diese Formel ein.

LQ 3.png

In unserem Beispiel ist das Ergebnis 1,27. Dieses entspricht 127 Prozent.

In unserem Beispiel hätten wir den 3. Grad nicht rechnen müssen, da wir das Ziel bereits mit dem 2. Grad erreicht hatten. Hier sehen wir, dass wir mit 27 Prozent das Ziel von 100 Prozent überreichen und unsere kurzfristigen Verbindlichkeiten mehr als decken können.

Wenn Sie erst mit dem 3. Grad Ihre 100 Prozent Deckung erreichen, oder vielleicht sogar das Ergebnis unter 100 Prozent liegt, kontaktieren Sie bitte direkt einen Unternehmensberater in Ihrer Nähe, um mögliche Risiken zu reduzieren und einen Maßnahmenplan zu erstellen, wie Sie den Fortbestand Ihres Unternehmens sichern können.

Mag. Ruth-Pauline Wachter, Unternehmensberater & Interim Manager


KennzahlenRE-ACTcash, Bilanz